Hundertwasser Architektur

Die Hundertwasser Architektur

Wenn man an die Architektur von Friedensreich Hundertwasser denkt, hat man sofort bunte Farben, tanzende Fenster und goldene Zwiebeltürme im Kopf. Aber hinter dieser verspielten Optik steckt eine tiefgreifende Philosophie. Hundertwasser sah sich selbst als „Architektur-Doktor“, der die kranke, seelenlose Bauweise der Moderne heilen wollte.

Der Kampf gegen die „gottlose“ gerade Linie

Hundertwasser hatte eine regelrechte Abneigung gegen alles, was schnurgerade war. Für ihn war die gerade Linie ein Werkzeug der Unterdrückung, das in der Natur schlichtweg nicht vorkommt. Deshalb findest du in seinen Gebäuden kaum eine Wand, die perfekt im Lot ist oder einen Boden, der nicht sanft schwingt. Er war überzeugt, dass der Mensch in einer organischen, unebenen Umgebung viel glücklicher und gesünder lebt, weil sie unserem natürlichen Empfinden entspricht. Er nannte die gerade Linie sogar „gottlos“, weil sie dem Leben widerspricht.

Die Natur als gleichberechtigter Mieter

Ein zentraler Punkt seiner Architektur ist die Versöhnung mit der Natur. Hundertwasser wollte der Erde das Territorium zurückgeben, das wir ihr durch das Bauen weggenommen haben. Das Ergebnis sind die berühmten Baummieter: Bäume, die direkt aus den Fenstern wachsen und so die Luft reinigen und das Stadtklima verbessern. Auch begrünte Dächer, die man begehen kann und die wie kleine Wälder wirken, gehören fest zu seinem Konzept. Für ihn war der Baum ein Partner, der im Haus wohnt und quasi mit Sauerstoff und Schönheit seine „Miete“ bezahlt.

In der Hundertwasser Architektur gehört die Natur dazu
In der Hundertwasser Architektur gehört die Natur dazu

Fensterrecht und die Freiheit des Einzelnen

Hundertwasser fand es schrecklich, dass Menschen in Wohnblocks leben müssen, die alle exakt gleich aussehen. Er forderte das sogenannte Fensterrecht: Jeder Bewohner sollte das Recht haben, aus seinem Fenster zu greifen und die Fassade so weit, wie sein Arm reicht, individuell zu gestalten – egal ob mit Farbe, Mosaiken oder Schnitzereien. So sollte jeder zeigen können: „Hier wohne ich, ich bin ein Individuum und keine Nummer.“ Das Fenster war für ihn das Auge des Hauses, und Augen sollten bekanntlich lebendig sein.

Hundertwasser Architektur wie das Hundertwasserhaus in Wien

Obwohl das Hundertwasserhaus im 3. Bezirk von Wien am bekanntesten ist, hat Hundertwasser weltweit Spuren hinterlassen. Jedes Projekt folgt denselben Prinzipien von Buntheit und Naturverbundenheit:

  • Rogner Bad Blumau (Steiermark): Ein komplettes Thermendorf, das fast wie eine Hügellandschaft aussieht, in die man hineinbauen kann.
  • Waldspirale (Darmstadt): Ein Wohnkomplex mit über 1000 Fenstern, von denen kein einziges dem anderen gleicht.
  • Müllverbrennungsanlage Spittelau (Wien): Ein technisches Gebäude, das er in ein buntes Kunstwerk verwandelt hat, um zu zeigen, dass auch Industrie schön sein kann.
  • Kuchlbauer-Turm (Abensberg): Ein fantastischer Aussichtsturm in Bayern, der seine Liebe zu runden Formen perfekt verkörpert. –> wir waren dort, hier die Eindrücke
  • Grüne Zitadelle von Magdeburg: Ein riesiger, leuchtend pinker Gebäudekomplex, der wie eine kleine, bunte Festung mitten in der Stadt steht. –> Hundertwasserhaus Magdeburg
  • St. Barbara Kirche (Bärnbach): Eine ehemals schlichte Nachkriegskirche in der Steiermark, die Hundertwasser in ein farbenfrohes Monument der Toleranz verwandelt hat. –> unsere Eindrücke von der Hundertwasserkirche
Hundertwasser Architektur - die Kirche im Hundertwasser Stil
Hundertwasser Architektur – die Kirche im Hundertwasser Stil

Weiterführende Links

KLICK hier - Diese Tipps merken & deinen Freunden empfehlen:
Nach oben scrollen